Grusswort Dr. Bogedan

Dr. Claudia Bogedan, Präsidentin der Kultusministerkonferenz, zum Bundeswettbewerb Fremdsprachen 2016/2017

Liebe Schülerinnen und Schüler,
warum wir in einer globalisierten und vernetzten Welt Fremdsprachen lernen sollten, ist leicht nachzuvollziehen: Bei einer Gesamtbevölkerung von derzeit rund 7,4 Milliarden Menschen auf der Erde sprechen „nur“ rund 100 Millionen Deutsch als Muttersprache. Dazu kommen - eine optimistische Annahme zugrunde gelegt - noch einmal 100 Millionen Menschen weltweit, die Deutsch als Fremdsprache wirklich beherrschen. Das entspricht einem Anteil von zusammen noch nicht einmal 3 Prozent aktiven Deutschsprechern.

Die Bundesregierung und die Länder setzen sich innerhalb der Europäischen Union und weltweit dafür ein, die Verbreitung von Deutsch als Fremdsprache zu fördern. Die Europäische Kommission formuliert als Ziel "eine EU, in der sich jeder Bürger neben seiner Muttersprache in mindestens zwei Fremdsprachen ausdrücken kann". Das ist ein ehrgeiziger Anspruch.

Fremdsprachen zu lernen entfaltet gleich mehrere Dimensionen. „Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen“, hat Johann Wolfgang von Goethe einmal gesagt. Goethe wusste, wovon er sprach. Das Nachdenken über Grammatik, Wortschatz, Wortbedeutung, Redewendungen oder Dialekte wird dann besonders intensiv, wenn wir verschiedene Sprachen in eigenem Verstehen und Gebrauch miteinander vergleichen können. Die Wechselwirkung zwischen unserer gedanklichen und unserer sprachlichen Welt wird uns besonders deutlich. Und uns wird bewusst, dass wir auch in eine andere Kultur, Sprache und Denkweise hätten hineingeboren sein können.

Wobei wir direkt bei der nächsten, der kulturellen Dimension des Fremdsprachenlernens sind: Das Verstehen eines anderen Landes, seiner Kultur, seiner Traditionen und seiner Literatur und vor allem die Kommunikation von Menschen untereinander ist nur möglich, wenn wir die Partnersprache beherrschen. Eine Fremdsprache zu erlernen, weitet den eigenen Blickwinkel in die Welt, macht Austausch erlebbar und wirkliche Verständigung erst möglich.

Die dritte Dimension des Fremdsprachenlernens, die mir bedeutsam erscheint, ist die politische.
Der europäische Gedanke strebt ein Europa freier Völker an, die in Demokratie, Rechtstaatlichkeit und Solidarität friedlich miteinander leben.
Ein solches Europa ist keine Selbstverständlichkeit, wie wir dieser Tage erleben müssen. Die politische Integration Europas gründet auf Vertrauen und Verständigung im politischen, kulturellen, ökonomischen und zwischenmenschlichen Bereich. Die Grundlage dafür schafft ein fachlich fundierter und didaktisch anregender Fremdsprachenunterricht. Und der Bundeswettbewerb Fremdsprachen mit seinem Wettbewerbslauf 2016/2017 leistet einen wichtigen Beitrag zum Fremdsprachenlernen in all seinen Facetten und Dimensionen.

Ich wünsche allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern viel Erfolg beim Lösen der anspruchsvollen Aufgaben.
Allen Lehrkräften, die ihre Schülerinnen und Schüler auf den Wettbewerb vorbereitet haben, danke ich ganz herzlich für ihre hervorragende Arbeit.
Der Geschäftsführung von „Bildung und Begabung“ mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gilt meine Anerkennung für ihr unermüdliches Engagement in der Förderung herausragender Leistungen junger Talente.

Dr. Claudia Bogedan
Präsidentin der Kultusministerkonferenz
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